Wie sieht sie aus, die Kirche der Zukunft? KI – Roboter halten Gottesdienste und machen Seelsorgebesuche, leiten Kirchenvorstandssitzungen oder den Seniorenkreis?
Vermutlich nicht. Kirche wird auch nach wie vor der Ort sein und bleiben, in dem die frohe Botschaft von Jesus Christus von Menschen für Menschen erzählt wird. Kirche ist die Gemeinschaft im Geist des Evangeliums, über Generationen und menschengemachte Grenzen hinweg. Aber Kirche wird sich verändern. Nach außen in ihren strukturellen und institutionellen Grenzen. In 24 Kirchengemeinden versammeln, leben und engagieren sich Menschen hier am bayerischen Untermain – im Dekanat Aschaffenburg.
Hoffnung auf Leben vs. Austritt
24 lebendige Gemeinden, in denen Gottesdienste gehalten, Senioren und Kranke besucht werden und Menschen Hoffnung gemacht wird auf das Leben in Jesus Christus. Doch die Institution Kirche steht unter Druck: Steigende Austritte und damit geringere Kirchensteuereinnahmen zwingen Gemeinden ganz weltlich, über den Erhalt Ihrer Kirchen und Gebäude nachzudenken. Dazu kommt der Fachkräftemangel, wie wir ihn auch aus anderen Bereichen kennen: Wenig Nachwuchs im theologischen und pädagogi-schen Bereich, die später in Gemeinde oder Schule ihren Dienst tun können. Der absinkende kirchliche Finanzhaushalt führt auch dazu, dass Stellen, die durch Ruhestandsversetzungen frei werden, nicht immer wiederbesetzt werden.
Große Veränderungsbereitschaft
Was lässt sich in Zukunft mit geringer werdenden Finanzmitteln und weniger Personal überhaupt noch an kirchlichem Leben aufrechterhalten? Knappe Antwort: Eine ganze Menge! In meiner Eigenschaft als geschäftsführender Pfarrer in Gemeinden in und um Aschaffenburg erlebe ich gerade in den Kirchenvorständen einerseits einen Respekt vor den sich verändernden Realitäten, aber eine ebenso große Veränderungsbereitschaft, wie das kirchliche Leben der Zukunft aussehen soll. Die Gemeinde vor Ort wird nicht aufgegeben, ganz im Gegenteil. Aber der Blick weitet sich über den eigenen gemeindlichen Horizont hin zu einer Regionalgemeinde Aschaffenburg und Umland. Zu ebendiesen Räumen, Regionalgemeinden genannt, werden sich Kirchengemeinden zukünftig zusammenschließen. Das wird eine Verwaltungsvereinfachung, aber eben auch eine viel vernetztere Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen mit sich bringen. Schon jetzt machen sich die Ehrenamtlichen in unseren Leitungsgremien auf den Weg und erleben, wie kirchlich-christliches Leben auch in einer Regionalgemeinde mit verschiedenen, profilierten Kirchengemeinden zum Leuchten gebracht wird.
Überregionale Angebote erhalten Vielfalt
Die neue Struktur wird viel Flexibilität erfordern, auch in Koordination von Terminen und Veranstaltungen. Bisher gibt es von der Landeskirche wenige Vorgaben für eine Regionalgemeinde: sie umfasst mind. 8500 Gemeindeglieder, bzw. 5 Vollzeitstellen. Alles weitere, etwa die Zusammenarbeit darin, ist Kreativität und Ideen der Beteiligten unterworfen. Und gerade darin sehe ich das größte Potential dieser Veränderung. Gut evangelisch können über Inhalte und interne Zusammenarbeit alle mitdiskutieren, sich einbringen und dann entscheiden. Das ist die Kirche der Zukunft.
Hauke Stichauer