Zeitmulden und Rituale

Kreuzworte
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Kreuzwort vom 25.Juli 2026

Spirituelle Expertinnen und Experten geben Tipps für „Urlaubsoasen im Alltag“. Zwei haben mich besonders angeregt: 

Melanie Wolfers ist Bestsellerautorin, Podcasterin und Ordensfrau. Sie spricht von zahlreichen „Zeitmulden“, die im Tag verteilt sind, kleine Übergänge und Pausen. Da ist das Warten auf den Bus oder bis der Kaffee durchgelaufen ist, das Hängen in einer Telefonwarteschleife. Statt dem nervösen Kopfkino richte ich meine Aufmerksamkeit nach Innen. Was beschäftigt und bewegt mich gerade? Der gegenwärtige Augenblick ist wirklich. Er kann mich nähren und stärken. Die Zeitmulden eines Tages bieten mir einen Trainingsparcours an, um Frische und Energie zu tanken. Wolfers sagt: „Wer präsent ist, ahnt bisweilen, in der Gegenwart von etwas Größerem zu sein.“ Der Philosoph Martin Buber sagt: „Der Augenblick ist das Gewand Gottes“. Zeitmulden entbergen auf einmal eine ungeahnte Tiefe. Das probiere ich aus: Schon vor meinem Urlaub nehme mir vor, täglich drei „Zeitmulden“ wahrzunehmen und mich frisch aufladen zu lassen. Mein Blick auf den Tanz der bunten Schmetterlinge am Fliederstrauch gerade in diesem Moment gehört dazu. Genauso der freundliche Gruß der Kassiererin an der Ladentheke gestern.

Anselm Grün ist Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach und spiritueller Autor. Er beobachtet, dass viele nach dem Urlaub schnell wieder in den alten Trott geraten. Wichtig ist für ihn der Grundsatz: „eins nach dem anderen. Wer alles auf einmal erledigen will, gerät wieder ins alte Hamsterrad“. Zum Gegensteuern empfiehlt Grün Rituale: „Rituale sind eine heilige Zeit. Heilig ist die Zeit, die mir gehört, über die niemand verfügen kann. Da habe ich das Gefühl: Ich lebe selbst, anstatt gelebt zu werden.“ Als Ritual empfiehlt Grün, am Morgen den neuen Tag zu segnen.

Das probiere ich aus. Statt nach dem Aufstehen in den gewohnten Ablauf in Bad und Küche zu kommen, öffne ich das Fenster. Ich nehme hörbar ein paar tiefe Atemzüge. Ich schaue, was vor meinen Augen liegt, bin ganz gegenwärtig. Dann mache ich ein bewusstes Kreuzzeichen. Ich segne den Tag mit den Aufgaben und Menschen, die mir heute begegnen. Mit der Zeitung am Frühstückstisch schließe ich Menschen in den Segen ein, von deren Schicksalen oder Engagements ich lese.

Liebe Leser*innen, entdecken Sie Ihre „Zeitmulden“. Vielleicht mögen Sie auch eigene kleine „Rituale“ entwickeln. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag.

Burkhard Fecher, Gemünden
Pastoralreferent und Ehe-, Familien- und Lebensberater i.R.