Kreuzwort vom 15.08.2026
Wir Menschen sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird und das man nicht wieder sammeln kann. Das sagt eine Frau zu König David. Sie versucht ihn überzeugen, dass er gegenüber seinem rebellischen Sohn Absalom Gnade walten und ihn am Leben lässt.
Und unter vielen guten Gründen, die sie dafür anführt, ist dieser rätselhafte und denkwürdige Satz. Rätselhaft und denkwürdig, weil man sich fragen kann: Ist das jetzt schlecht, dass wir sind, wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird? Denn am Ende ist der Krug ja leer und das Wasser weg. Ist dann also alles vergeudet? Oder ist es gut? Denn wozu will man Wasser, das auf die Erde gegossen wird, wieder sammeln? Das wäre Blödsinn. Das Wasser tränkt die Erde, es sorgt dafür, dass etwas wächst und gedeiht. Und wenn ein Menschenleben ausgegossen wird, wie Wasser auf die Erde, dann ist das wunderbar, ein produktives, fruchtbares Leben. Wir Menschen sind – im besten Fall – wie ein Regen. Den kann und will man ja auch nicht wieder einsammeln. Also ich neige zur Interpretation: Das ist gut. Wir sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird.
Vieles im Leben wächst und gedeiht, weil Menschen an unterschiedlichen Stellen wässern und gießen: Familie, Freundschaften, Arbeit, Lernen, Vereine, Politik, Kirche, Wissenschaft und Kunst. Das alles sind weite Felder, die Menschen mit Geist und Energie entwickeln. Manches schaffen wir nicht oder noch nicht, oder werden wir nie schaffen. Unser Geist und unsere Energie sind ja nicht unerschöpflich. Auch das steckt in diesem rätselhaften Satz: Wir sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird und das man nicht wieder sammeln kann.
Wir können vieles bewirken, aber nicht alles. Und wir können nichts rückgängig machen. Also ist es gut für alle, sich zu überlegen, wo sie ihre Energien einsetzen und was sie tun wollen, etwas das konstruktiv ist und dem Leben dient. Denn es gibt immer eine Wahl. Wir tun manchmal das Falsche, hoffentlich öfter das Richtige. Es gibt vieles, worauf wir stolz sein können. Und wir können und müssen nicht alles tun. Wir sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird und das man nicht wieder sammeln kann. Die dazu passende Geschichte ist nachzulesen im 2. Buch Samuel, Kapitel 14.
Margit Binz, Pfarrerin für Ökumene, Evangelisches Dekanat Vorderer Odenwald