Predigt künftig die KI?

Mit Sicherheit nicht! Aber tut sie es vielleicht heute schon? Also eigentlich Ja und Nein. Ich war vor drei Jahren auf dem Evangelischen Kirchentag in Nürnberg auf dem ersten komplett KI-generierten Gottesdienst im deutschen Sprachraum. Mein Eindruck: Technisch machbar, aber seelenlos. Dabei wird es bleiben.

Gottesdienst ist lebendiger Austausch

Kirche insgesamt und ganz besonders der Gottesdienst lebt von lebendigen Menschen, die sich begegnen und in einen kommunikativen Austausch miteinander treten. Da geht es um Gefühle und Empfindungen, um tiefe Erfahrungen von Trost und Glück, Liebe und Leid, Schuld und Scham. Im Gottesdienst singen wir, hören wir, sprechen wir, tauschen Blicke miteinander und manchmal lachen wir sogar. Das alles kann niemals eine noch so perfekt konfigurierte Maschine, sonst würden wir aufhören, lebendige Wesen zu sein.

Jede Erfindung hat zwei Seiten

Doch andererseits ist Künstliche Intelligenz als technisches Hilfsmittel bereits in vielen Lebensbereichen angekommen und wird mit Sicherheit noch weitere erobern. Manchen Wissenschaftstheoretikern gilt sie sogar als die wichtigste Erfindung des 21. Jahrhunderts. Doch wie jede andere wissenschaftliche oder technische Errungenschaft hat auch die KI zwei Seiten. Eine segensreiche und eine problematische. Das war bei allen großen Erfindungen so.

Mit einem Dieselmotor können moderne Autos mit einer Tankladung von Aschaffenburg bis Bologna fahren, aber auch Putins Panzer werden damit angetrieben. Mit unseren Smartphones können wir (fast) überall telefonieren und in Sekundenschnelle wertvolle Informationen abrufen. Wir können damit aber auch in den Untiefen der Desinformation und des hässlichen Mobbings untergehen.

Es geht um verantwortungsvollen Umgang mit jeder neuen Technik

Was aber definitiv nicht geht, ist die Zeit zurückzudrehen zu einer Welt, wie es sie vor 20 oder 40 Jahren gegeben hat. Kein Wissen geht ganz verloren, keine epochenmachende Erfindung kann jemals vergessen werden, kein Wohlstandsplus kann den Menschen auf Dauer wieder entzogen werden.

Es kommt also ganz entscheidend darauf an, wie wir mit einer Technik umgehen und wie wir sie nutzen. Dazu braucht es eine gründliche Risiko-Nutzen-Analyse. Ich bin gespannt auf die KI-Strategie unserer Landeskirche, die in wenigen Monaten vorgestellt werden soll und die sich genau dieser Frage stellt.

Rudi Rupp