Jeder hat sein Kreuz

Kreuzworte
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Kreuzwort 27. Juni 2026 

In letzter Zeit begegne ich immer mehr Menschen, die mit ihrem Leben nicht zufrieden sind, obwohl sie scheinbar alles haben. Und: es gibt so eine Jammerstimmung, über das, was im Leben quer läuft. Im Evangelium am morgigen Sonntag heißt es: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, ist meiner nicht würdig. 

Was mir dabei aufgefallen ist: Es wird nicht allgemein vom Kreuz gesprochen, sondern jeder hat sein Kreuz. Im Grund heißt das: Jeder muss selbst leben. 

Es geht um eine Selbst–Ständigkeit, die mühsam sein kann. Auch und insbesondere in Liebesbeziehungen: Meine Frau zum Beispiel fährt jedes Jahr für ein paar Tage allein weg. In unserem Umfeld gab es da schon kritische Kommentare. Für sie ist aber klar: nur wenn sie auf ihren Beinen stehen kann, können wir auch die nächsten Jahre weiterhin zusammen unterwegs sein. Und das sind nun auch schon 39 Jahre.

Letztlich darf ich mich nie einem Menschen so in die Hand geben, dass ich ohne ihn nicht mehr leben kann. Es gibt keine Haftpflicht für mein Lebensglück. Und wenn ich einen anderen dennoch „haftpflichtig“ mache, - weil ich ihn vergöttere - bringe ich auch ihn in eine Situation, in der auch er nicht glücklich leben kann. Es ist schon so etwas wie ein „Naturgesetz“: man kann nur miteinander aber nicht voneinander leben. Jeder nehme sein Kreuz auf sich! Viele Menschen sind dann unglücklich, weil sie mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Aber: wenn ich nicht mein Leben leben will, sondern ein anderes haben will, und mich damit vergleiche, stehe ich mir selber im Weg.

Als Christen haben wir die Hoffnung, dass unser Leben, so wie es ist, bereits getragen ist. Mich ermutigt das! Ich versuche mich und alles so, wie es ist, zu nehmen und „das Beste“ draus zu machen. Am ehesten gelingt mir das, wenn ich akzeptiere, dass mein Leben ein „Kreuz“ ist -  nämlich eine Einheit von Gegensätzen. Es gibt Freude und Leid, Lust und Schmerz, sie gehören zum Leben. Und wenn ich eines davon verdränge, verhindere ich auch das andere. So ist nun mal das Leben! Es geht darum diese Spannung auszuhalten und nicht immer andere dafür verantwortlich zu machen. Und so verstehe ich dann auch was Jesus meint: „Wer das (spannungsfreie) Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ 

Spannungen wahrnehmen, aushalten und im Vertrauen auf das Miteinander das Beste daraus machen, das wünsche ich Ihnen und mir

Dr Peter Müller
Theologe und Pädagoge