Kreuzwort vom 30.05.2026
Eine positiv irritierende Erfahrung: Wie gewohnt eröffnet der Priester: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Weil es sich um einen katholischen Gottesdienst handelt, bezeichnen sich die Mitfeiernden mit dem Kreuzzeichen über Stirn, Brust linke und rechte Schulter. Kurze Stille. Dann beginnt der Priester erneut mit dem Kreuzzeichen – und die Mitfeiernden folgen ihm. Darauf noch einmal. Spätestens jetzt sind die Leute etwas verunsichert und schauen sich fragend an. er löst auf und stellt die Frage, ob uns eigentlich bewusst sei, dass wir im Namen des dreieinigen Gottes Gottesdienst feiern. Ein Gott in drei Personen – das sei uns Christen in Sprache und Ritual so sehr selbstverständlich geworden, dass es sich lohne, neu darüber nachzudenken.
An diesem Sonntag nach Pfingsten feiern die katholischen und evangelischen Christen den Dreifaltigkeitssonntag, lateinisch Trinitatis. Als sogenanntes „Ideenfest“ hebt dieser Sonntag einen zentralen Inhalt des christlichen Glaubens hervor. Bereits die Taufformel des Neuen Testaments bezeugt diesen Glauben an den dreieinen Gott. Der trinitarische Monotheismus – ein Gott in drei Personen - gehört von Anfang an zentral zum christlichen Gottesverständnis, auch wenn in den folgenden Jahrhunderten auf Synoden und Konzilien intensiv um ein vertieftes Verständnis weiter gerungen wurde. Nicht zuletzt trugen unterschiedliche Entwicklungen der Trinitätslehre entscheidend zum großen abendländischen Schisma bei, da die Westkirche für sich die Lehre weiterentwickelte, ohne dafür zu einem gemeinsamen ökumenischen Konzil einzuladen.
Einen eigenen Dreifaltigkeitssonntag kennt die orthodoxe Kirche nicht; vielmehr wird an Pfingsten mit der Offenbarung des Heiligen Geistes zugleich das Wirken der ganzen Dreifaltigkeit gefeiert.
Zurück zum Kreuzzeichen: Es kann eine einfache, aber sprechende Geste sein und im wahrsten Sinne entscheidendes „andeuten“: Gott verbindet Himmel und Erde, Schöpfer und Geschöpf. Er ist zugleich Einheit und Vielfalt. Gott ist nur in Beziehung zu denken. In Jesus Christus wird der ewige Logos Bruder und Mitmensch; der Heilige Geist verbindet, belebt und trägt. Gott selbst ist Beziehung – und lädt den Menschen zur Beziehung ein – zu ihm und untereinander!
Andreas Bergmann, Pastoral- und Bildungsreferent, Kirchlicher Organisationsberater