Was ist Trost?

Kreuzworte
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Kreuzwort vom 11.04.2026

Was verstehen Sie unter Trost? Als Mutter habe ich meine Kinder getröstet, in dem ich sie auf den Schoß nahm, auf die Schürfwunde gepustet und ihnen manchmal ein Lied vorgesungen habe: „Heile, heile Segen, morgen gibt es Regen, übermorgen Sonnenschein, dann wird’s wieder besser sein.“ Oft hat das geholfen.

In Vorbereitung auf den ökumenischen Emmausgang in Lohr denke ich darüber nach, was Trost ausmacht. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung schließt sich Jesus zwei seiner Jünger an, die in das Dorf Emmaus unterwegs sind. Die beiden Männer verstehen die Welt nicht mehr. Ihr Schmerz ist groß. Sie sind unglücklich, verzweifelt und in gewisser Weise hoffnungslos. Selbst der Leichnam Jesu ist nicht mehr zu finden. Wo ist Jesus? War alles, wovon er geredet hat, eine Lüge?

Jesus als Weggefährte bleibt unerkannt, aber er hört den Klagen der Jünger geduldig zu. Kennen Sie das Gefühl der Befreiung, wenn Sie sich etwas „von der Seele reden“? Da ist eine, die genau hinhört. Da ist einer, der an Ihrer Seite bleibt in der Not und nicht das Weite sucht. Wenn wir ein Kind in den Arm nehmen, vielleicht mit einem Pflaster versorgen, also das kleine Leid ernst nehmen, die Tränen trocknen, hören, wie es geschehen ist, machen wir es intuitiv wie Jesus als Seelsorger. Er hört so zu, dass sich der Blick der Jünger weiten kann. Er fragt nach. Und was im Evangelium nach Lukas nur angedeutet wird, wird beim Nachdenken und -spüren klar: Er bietet seinen Jüngern noch mehr an. Er erklärt, was den Jüngern heilig ist, was in den Schriften und Propheten geschrieben ist. Jesus belässt es nicht bei einer schnellen Streicheleinheit, er investiert Zeit. Zeit auf das Hören, auf das Erklären und – ganz wichtig – Zeit für Gemeinschaft. Er bleibt bei seinen Jüngern, teilt mit ihnen das Abendbrot und verlässt sie erst, als ihnen die Augen aufgegangen sind, dass der, um den sie trauern, lebt.

Ich wünsche mir und Ihnen in Zeiten der Not einen Menschen an der Seite, der spürt, dass seine Nähe gebraucht wird und sich Zeit nimmt fürs Hören, Nachfragen, vielleicht sogar für einen Hinweis auf einen neuen Blick auf Geschehenes und vermeintlich Alt-Bekanntes. Der bleibt, um das Brot zu teilen oder einen Tee gemeinsam zu trinken. Das kann die Nachbarin sein, aber auch der Seelsorger Ihrer Kirchengemeinde oder eine Ehrenamtliche der Telefonseelsorge. Und auch Sie können es sein für einen Menschen, der Trost braucht.

Ich erfahre: Trost ist viel mehr – aber etwas anderes – als ich lange gedacht habe. Trost „macht das Leid nicht einfach weg“, sondern es hilft hindurch. Tröster sind Menschen, die nach meinem christlichen Glauben vom Heiligen Geist, dem Tröster, berührt werden – und es gelegentlich gar nicht bemerken. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete, trostvolle und auch frohe Osterzeit!

Ihre Carolin Esgen, Prädikantin im Evang.-Luth. Dekanat Lohr