Kreuzwort vom 03.01.2026
Das neue Jahr hat angefangen. Es ist schon ein bisschen her, da habe ich den Übergang ins neue Jahr mit Jugendlichen in einer Kirche gefeiert. Eine Andacht in der Silvesternacht im Kerzenschein. Wir sangen, wir beteten. Als es dann Mitternacht geschlagen hatte und wir – gestärkt für das neue Jahr - die Kirchentür öffneten, empfing uns draußen die Dunkelheit. Erst als sich unsere Augen an die Finsternis gewöhnt hatten, sahen wir: Es hatte geschneit. Langsam und vorsichtig überschritten wir die Schwelle der Kirchentür und standen in der unberührten Schneelandschaft. Der Weg war nicht mehr zu finden. Keine einzige Spur war zu sehen. Alles war neu.
Gerne denke ich daran zurück, denn in dem Jahr war es ganz besonders, die Schwelle zum neuen Jahr zu übertreten.
Schwellensituationen sind besondere Momente. Darum gibt es mancherorts Bräuche, die diese bedenken und feiern: Ein Bräutigam trägt seine Braut über die Schwelle. Nachbarn schmücken die Tür, wenn jemand neu einzieht. Damit alles gut geht. Vor uns liegt Unbekanntes. Wer weiß, was kommt?
Ein Christ aus China schrieb einmal diese Zeilen:
Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann. Aber er antwortete: Gehe nur hin in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes. Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg!
Das neue Jahr hat angefangen. Ich überschreite eine Schwelle und stoße die Tür des neuen Jahres auf. Nur wenige Lichtstrahlen zeigen mir den Weg. Ich gehe hinein, Schritt für Schritt. Mit gemischten Gefühlen setze ich einen Fuß vor den anderen. Ich stehe im Neuen. Aber ich ahne: Egal, was in der Zukunft geschieht, ob Gutes oder Schwieriges: Einer erwartet mich, den ich schon lange kenne. Er begrüßt mich mit ausgestreckter Hand. Wie sagte es der Engel an der Pforte zum neuen Jahr?
Geh nur hin in die Dunkelheit und lege Deine Hand in die Hand Gottes!
Pfarrerin Judith Haar-Geißlinger
Kleinheubach