Am Schreibtisch fällt mein Blick auf den kleinen Zettel, der seit Jahren von meinem alten in den neuen Terminkalender wandert. Auf ihm steht ein Ausspruch von Yannis Ritsos. Dieser griechische Dichter hat im letzten Jahrhundert unter einer Diktatur gelebt und wurde in die Verbannung geschickt. Der Satz lautet: „Jeder Mensch hat einen Himmel über seiner Wunde und einen kleinen gesetzwidrigen Frühlingszettel in seiner Tasche.“
Es ist wohl schon mindestens 15 Jahre her, da hatten wir im Kirchenladen zu einem besonderen Abend eingeladen: „Eine Nacht voller Sonnenblicke.“ war das Motto. Sieben gelbe Löwenzahnphotos vom Künstler Bernd Liebisch hatten wir im Raum aufgestellt. Die Teilnehmenden konnten zwischen den leuchtenden Blüten umhergehen und dabei von einer Sommerwiese träumen. Dazu gab es ein wunderschönes Konzert mit Klangschalen. Das war wirklich eine Nacht voller Sonnenblicke gewesen!
So hat es derzeit den Anschein. Tech-Milliardäre, von denen jeder mehr besitzt als der gesamte Staatshaushalt vieler Staaten. Ölgeschäfte, die florieren, als gäbe es keinerlei Verantwortung für den Schutz des Klimas. Der Dow Jones, der erstmals die magische Marke von 50.000 Punkten überschritten oder der deutsche DAX, der im Januar die 25.500 Marke geknackt hatte. Und weiterhin besitzt in Deutschland die untere Hälfte der Bevölkerung nur 3% des Vermögens.
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https://www.sonntagsblatt.de/artikel/kirche/dekanat-aschaffenburg-im-portrait