Kriechen oder demütig sein

Kreuzworte
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Kreuzwort vom 21.03.2026

Der Wind der Fastenzeit weht uns noch immer an. Es gilt, mit manchem ihrer Worte in Klausur zu gehen und es von Innen her zu beleuchten. So das Wort „Demut“. Allzu gerne wird es von den Mächtigen oder Möchtegernmächtigen missverstanden, wenn sie Menschen oder ganze Völker unter ihr eigenes Wertejoch stecken, damit sie vor ihnen kriechen oder als Untertanen buckeln. Doch nicht nur sie, auch die Natur wird unterjocht. Demut ist „Dien-mut“, Mut, dem Leben zu dienen, damit es sich so entfalte, wie es Gott und dem Menschen angemessen ist. In der Körperhaltung drückt sich Demut in der Verneigung oder aber in den nach unten gefalteten Händen aus, wie es profan unsere ehemalige Bundeskanzlerin offen bekundet hat
Als der heilige Benedikt im 6. Jahrhundert Menschen aus ihren inneren und äußeren Dschungeln der Zeit hervorholte, um aus ihnen Menschen nach dem Vorbild Jesu zu formen, gab er ihnen als höchste Tugend die Demut vor. Sie ist mit einer Leiter vergleichbar: Ihre zwölf Sprossen oder Stufen werden rechts und links von zwei Holmen gehalten, vom Holm Leib und vom Holm Seele. Mit Weisungen für das rechte Maß, entschlackt und von sich frei zu werden, einerseits – andererseits sich davor zu hüten. „Gott je zu vergessen“. Schließlich sucht dieser bei Tag und Nacht, „ob er noch einen Verständigen finde“. Benedikt geht es darum, vom Ross des Stolzes, wie ihn etwa die Kriegsführer aller Zeiten demonstrieren, hinunterzusteigen und durch Demut die Sprossen mutig hinaufzusteigen, um dem zu dienen, was wahres Leben ist und was die eigentliche Berufung des Menschen ist – Kind Gottes zu sein. Mit sich buckeln und kriechen hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: Davon sprechen Benedikts konkrete Beispiele zu den 12 Stufen. So z.B. die gepflegte Gottesbeziehung, der Verzicht auf Allmachtsphantasien, mit den Herausforderungen des Lebens klug umgehen, seinen Blick auf die Werke der Liebe und des Friedens zu richten, zufrieden sein mit einem einfachen Leben, wesentlich leben, zu dem stehen, was wahr ist. Kriechen und sich buckeln hieße, wegschauen und heucheln. Demütig sein heißt, zu seinem Gewissen stehen und sich dem hingeben, was den Menschen zum Menschen macht. Jesus hat es vorgelebt.


Peter Spielmann, pastoraler Mitarbeiter in Obernau