Kreuzwort vom 10.10.2026
„Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“
Johannes 14,27
Am Freitag, dem 9. Oktober, wird der diesjährige Friedensnobelpreisträger bekannt gegeben. Gerade in den vergangenen Jahren ist dieser Preis noch einmal stärker in den Blick der Öffentlichkeit gerückt – nicht zuletzt durch die Frage, wer ihn wohl verdient und wer ihn vielleicht gerne in Händen gehalten hätte. Geradezu darum gekämpft wurde diesen Preis zu erhalten und die Diskussionen wurden alles andere als friedlich.
Doch Frieden ist mehr als das Ende eines Krieges. Frieden bedeutet nicht nur, dass Menschen aufhören, aufeinander zu schießen. Das biblische Verständnis von Frieden reicht tiefer. Das hebräische Wort Schalom beschreibt ein Leben, in dem etwas heil und ganz geworden ist: das Verhältnis zu anderen Menschen, zu sich selbst und vor allem das Verhältnis zu Gott.Und genau davon spricht Jesus im Johannesevangelium: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Bemerkenswert ist, wie Jesus diesen Frieden beschreibt. Er sagt nicht: „Ich zeige euch, wie ihr Frieden schaffen könnt.“ Er sagt: „Ich gebe euch Frieden.“ Das ist ein Unterschied. Wir leben in einer Zeit, in der wir vieles selbst in die Hand nehmen müssen. Wir planen, organisieren, sichern ab und versuchen, möglichst gut vorbereitet zu sein. Auch beim Frieden denken wir zunächst an das, was wir tun müssen: Konflikte lösen, Kompromisse finden, aufeinander zugehen. Das alles ist wichtig. Frieden braucht Menschen, die sich dafür einsetzen. Aber Friede braucht denke ich noch etwas anderes: Menschen, die sich beschenken lassen. Denn es gibt einen Frieden, den wir nicht herstellen können. Einen Frieden, den wir uns nicht erarbeiten und auch nicht verdienen müssen. Den Frieden Gottes.
Darin liegt eine besondere Herausforderung für uns: dass wir manchmal für einen Augenblick aufhören, alles lösen zu wollen. Dass wir still werden. Dass wir nicht sofort die nächste Nachricht lesen, den nächsten Streit verfolgen oder die nächste Sorge durchdenken. Dass wir uns einen Moment erlauben, in dem wir selbst zu Frieden finden. Nicht, weil die Welt dann plötzlich friedlich wäre. Sondern weil wir uns daran erinnern dürfen, dass Friede ein Geschenk ist. Manchmal beginnt er nämlich damit, dass wir still werden und Gott wirken lassen, uns beschenken lassen, unser Leben wieder als aus Gottes Hand kommend wahrnehmen. Und wer diesen Frieden, dieses Geschenk empfängt, kann ihn dann vielleicht auch wieder hinaustragen und ihn weitergeben mit oder ohne Preis.
Weil der Friede selbst dann das größte Geschenk ist!
Sebastian Roth
Pfarrer in Marktheidenfeld