Kreuzwort für den 12.9.26
Im Urlaub gehe ich manchmal auch in Kirchen – da, wo ich gerade bin. Oft zünde ich eine Kerze an, denke an Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle, oder ich bin ganz einfach dankbar für die schönen Momente. In der Kerzenkapelle einer großen Wallfahrtskirche im Schwarzwald lag ein Fürbittbuch, in das man persönliche Anliegen schreiben konnte. Auf einer Seite stand dort ganz oben: „Wenn es einen Gott gibt, dann soll er meine Familie beschützen.“ Andere hatten sich mit ähnlichen Worten angeschlossen: Wenn es dich gibt, Gott, dann heile mich, lass‘ Frieden werden auf der Welt… !“
Niemand kann wissen, ob es Gott wirklich gibt. Zweifel sind erlaubt und kommen selbst bei Heiligen vor. Manche Menschen spüren in sich eine große Sicherheit und Gottes-Gewissheit – anderen mag es aufgrund von Schicksalsschlägen schwerfallen, an einen guten Gott zu glauben. Aber ein kleines Körnchen Glaube, oder vielleicht nur ein Funke der Hoffnung lässt Menschen in ein Buch schreiben: „Wenn es dich gibt, Gott, dann kümmere dich um uns!“ Die Sehnsucht danach, auch in schweren Zeiten des Lebens getragen zu sein, ist tief in jedem Menschen. Und ebenso auch das Wissen darum, dass ich weder für mich noch für die, die ich liebe, ein glückliches Leben garantieren kann. Meine Macht stößt an Grenzen, Leben ist zerbrechlich und Glück noch mehr. Doch auch, wenn ich mir nicht so ganz sicher bin: Das Vertrauen darauf, dass es Gottes Liebe mich umgibt, kann ruhiger machen. Eine Kerze anzünden kann dann ein Zeichen setzen: Gott, ich hoffe, dass es dich gibt!
Wer eine Kerze anzünden kann, kann aber vielleicht noch mehr: So leben, als ob es Gott gäbe. So denken und handeln, so hoffen und lieben, als ob Gott wirklich wäre. Als ob wir im Letzten getragen wären von dieser großen Liebe. Das ist eine Entscheidung, kein Gefühl. Zumindest für mich macht das einen Unterschied. Es macht gelassener und gibt Kraft. Es hilft nicht zu verzweifeln, sondern unerschütterlich daran festzuhalten, dass es sich lohnt, sich für das Gute einzusetzen. Und ich glaube, es macht auch für die Welt einen Unterschied, ob es Menschen gibt, die so leben, als ob es Gott gäbe: engagiert und fröhlich, mutig und zuversichtlich.
So zünde ich mit allen, die daraufsetzen, dass es Gott gibt, immer wieder eine Kerze an – als Bitte, aber auch als Funken der Hoffnung.
Dr. Ursula Silber ist Leiterin der Erwachsenenbildung „Martinusforum“ im Martinushaus Aschaffenburg.