Königliche Würde

Kreuzworte
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Kreuzwort vom 10.01.2026

Vielleicht sind Ihnen in den vergangenen Tagen die Sternsinger begegnet. Es sind Kinder und Jugendliche, die als Könige verkleidet durch die Straßen ziehen und Geld für Kinder in Krisengebieten der Welt sammeln. Ich erinnere mich gut, wie gerne wir früher die prächtigen Gewänder angezogen und die mit Goldfolie gebastelten Kronen aufgesetzt haben. Wir fühlten uns dann wirklich besonders und königlich.

An diesem Wochenende beginnt im Klinikum Aschaffenburg-Alzenau eine Ausstellung, die genau auf dieses Gefühl aufmerksam machen will: Jeder Mensch darf sich königlich fühlen, weil ihm eine besondere Würde zukommt. Unter dem Titel „Von Würde und Zerbrechlichkeit – König*innen im Klinikum“ werden vom 11. bis 30. Januar 15 Königsskulpturen durch fast alle Bereiche der beiden Klinikumsstandorte wandern. Die Figuren wurden geschnitzt von Tischler und Diakon Ralf Knoblauch aus Bonn und haben ihre Botschaft von der Menschenwürde schon in Länder auf der ganzen Welt getragen. Die Königsskulpturen stellen keine abgehobenen Herrscher dar, sie sind bodenständig und zeigen sich als Menschen wie jeder und jede von uns. Sie lächeln uns an, als wollten sie sagen: „Du bist auch eine/r von uns, ein König, eine Königin! Fühl Dich ruhig so!“ Neben ihrer Krone erinnert auch das weiße Hemd, das sie tragen, an Würde und Festlichkeit.

Dass die menschliche Würde zerbrechlich ist, wird besonders spürbar in den Grenzsituationen des Lebens – in Krankheit oder am Lebensende. Wenn die König*innen ins Klinikum kommen, dann setzen sie ein Zeichen dafür, dass der Mensch auch dann seine Würde behält. Die König*innen blicken mit ihren freundlichen Gesichtern in den Alltag der Stationen und Funktionsbereiche, sie begrüßen Mitarbeitende, Patient*innen und Besucher*innen am Empfang. Auf diese Weise laden sie uns ein, uns unserer königlichen Würde bewusst zu sein und ermutigen uns zu einem würdevollen Umgang miteinander.

Früher, als Sternsinger, fühlte ich mich besonders, wenn ich die goldene Krone tragen durfte. Inzwischen weiß ich: Wir brauchen uns nicht als Könige verkleiden, weil jeder Mensch eine „innere Krone“ trägt – die ihm verliehene und unveräußerliche königliche Menschenwürde.

Kerstin Gerlach, Pastoralreferentin im Team der ökumenischen Klinikseelsorge am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau