Kreuzwort vom 21.02.2026
Es ist wohl schon mindestens 15 Jahre her, da hatten wir im Kirchenladen zu einem besonderen Abend eingeladen: „Eine Nacht voller Sonnenblicke.“ war das Motto. Sieben gelbe Löwenzahnphotos vom Künstler Bernd Liebisch hatten wir im Raum aufgestellt. Die Teilnehmenden konnten zwischen den leuchtenden Blüten umhergehen und dabei von einer Sommerwiese träumen. Dazu gab es ein wunderschönes Konzert mit Klangschalen. Das war wirklich eine Nacht voller Sonnenblicke gewesen!
Nach dem Ereignis hängten wir die Löwenzahnbilder in unserem Laden auf. Immer wieder mal dachte ich an diesen magischen Abend zurück, an dem wir mitten in der Stadt in unserer Phantasie träumend über eine Sommerwiese laufen durften.
In den letzten Tagen habe ich die Bilder immer wieder angeschaut - doch dieses Mal nicht mit schönen und verträumten Gedanken, sondern voller Sorge.
Bald wird unser Laden für immer schließen. Wohin dann mit diesen kleinen Kunstwerken?
Gestern kam ein Anruf: Einer unserer Stammkunden wäre froh und dankbar, wenn er die Bilder gegen eine Spende mitnehmen dürfte. Ich habe mich gefreut:
Die „Sonnenblicke“ werden nicht irgendwo in einer Ecke abgestellt werden, sie bekommen eine neue Chance zu leuchten und Freude zu bringen. Jedoch die bange Frage bleibt: Wie aber wird das mit all den hellen Stunden, die wir mit unserer Kundschaft und unserem Team im Laden verbringen durften? Wer trägt die sonnigen Momente weiter, in denen Menschen erleben konnten, dass jemand sie sieht, dass jemand ihnen zuhört, dass sie eine schöne Karte oder eine Engelfigur mit nach Hause nehmen konnten? Ein Symbol des Segens - auf dem Weg durch die City- wo wird das nun in Zukunft stattfinden? Abschiede sind schwer, etwas Liebgewonnenes loslassen zu müssen, tut weh.
In der letzten Zeit hatte ich oft das Gefühl, dass ich mehr „Nächte voller Dunkelheiten“ durchmachen muss als „Nächte voller Sonnenblicke“ zu erleben.
Das ist jetzt aktuell mit der Schließung des geliebten Ladens verbunden, aber es kommt ja auch sonst im Leben immer wieder vor: Wir müssen Abschied nehmen von geliebten Dingen, von Lebensabschnitten, von liebgewordenen Menschen. Ob die Kraft einzelner „Sonnenblicke“ dann weiter trägt und wärmt? Ich glaube daran. Ich denke, dass die „Nacht voller Sonnenblicke“ nicht allein an unserem Laden hängt, nicht an den schönen Löwenzahnbildern, nicht an mir, meiner Kollegin und unserem Team. „Sonnenblicke“ werden immer wieder kommen. Ich glaube, dass wir alle in uns selbst eine göttliche Sonne in uns tragen, die uns geschenkt wurde. Diese innere Sonne macht es hell und warm in uns. Ich hoffe, dass ich sie weiterhin unter die Leute bringen kann, auch wenn der Kirchenladen bald seine Türen für immer schließt. „Nächte voller Sonnenblicke“ wird es weiterhin geben, besonders am Ende der Fastenzeit, wenn wir ins Licht der Ostersonne blicken dürfen.
Eva Meder-Thünemann
Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Aschaffenburg