Kreuzwort vom 12.09.2026
Die Meisten hat der Alltag schon längst wieder im Griff, und auch für die Kinder enden die Ferien. Hoffentlich war der Urlaub eine kleine Zäsur, eine erquickende Pause, Luft zu holen und ein paar Überlegungen anzustellen, wie man das Leben im alltäglichen Trott und Stress doch etwas anders organisieren könnte. Dass Vorsätze meist nicht lange halten, sollte niemanden davon abhalten, trotzdem einiges davon zu versuchen. Vielleicht gerade das, was man im Urlaub erprobt hat: sich mehr zu bewegen, bewusster zu essen, ein Buch in die Hand zu nehmen, mehr Zeit mit seinem Partner zu verbringen, ja möglicherweise auch innezuhalten zum Gebet.
Die orthodoxe Kirche hält bis heute an den römisch-byzantinischem Jahresbeginn zum 1. September fest, eigentlich einem alten Steuertermin nach der eingefahrenen Ernte. Aber er passt gut, nachdem alle großen kirchlichen Christusfeste gefeiert wurde und mit Weihnachten ein neuer Zyklus beginnt, aber auch der Kreis der Marienfeste mit Mariä Entschlafung am 15. August geendet hat und am 8. September mit ihrer Geburt neu anfängt.
Zudem hat der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Dimitiros am 1. September 1989 diesen kirchlichen Jahresanfang zum „Tag des Gebetes für die Bewahrung der Schöpfung“ erklärt, eine Praxis, die mittlerweile ökumenisch aufgegriffen wurde und vielerorts gefeiert wird. Dabei steht ganzbewusst nicht nur der Dank für die Schöpfung Gottes, sondern die Verantwortung aller im Mittelpunkt, da es um die Bewahrung dieser von Gott gut eingerichteten Schöpfung geht. „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31). Doch gut ist es keineswegs, wenn die schöne Natur sich von ihrer grausamen Seite zeigt und zerstörerisch wirkt. Die paradiesische Schöpfung ging mit dem Sündenfall der Menschen verloren, und mit jeder Sünde und auch Umweltsünde geht sie offensichtlich noch mehr verloren. Da kann sich wohl niemand als unschuldig herausreden. Umgekehrt zählt jedes noch so kleine Bemühen um bewussteren und verantwortungsvolleren Umgang mit der schönen Schöpfung Gottes. Auch ein möglicher Vorsatz nach den Sommerferien.
Erzpriester Martinos Petzolt. Griechisch-orthodoxer Pfarrer von Unterfranken und Priester der Katerinenkirchen in Aschaffenburg